Rückblick auf das Oooonline Get-Together vom 7.Mai 2026

Bindung vor und nach der Geburt: von -1 bis +1. Mit Christin Tlach, Hebamme

Christin Tlach, Hebamme und SAFE-Mentorin (mutterhebamme.com), nahm uns mit auf eine eindrückliche Reise rund um Geburt und erste Zeit mit dem Neugeborenen.

Deutlich wurde, wie viele Belastungen Eltern gleichzeitig tragen: körperliche und medizinische Herausforderungen, eigene Ansprüche, Schlafmangel, Schreien, berufliche oder familiäre Anforderungen und der gesellschaftliche Druck, dass ‘gute Eltern’ selbstverständlich ein pflegeleichtes Kind haben. All das kann Feinfühligkeit und Regulationsfähigkeit beeinflussen. Die Vielfalt der Einflussfaktoren zeigt aber auch, dass es viele Hebel gibt, um Eltern und damit auch die Bindungssicherheit des Kindes zu stärken.

Ein zentraler Punkt ist deshalb die Entwicklung elterlicher Kompetenz und Feinfühligkeit. Christin betonte, wie wichtig kleine Erfolgserlebnisse sind: „Ich verstehe mein Kind und ich kann es beruhigen.“ Gerade bei Babys mit schwer lesbaren Signalen oder einem schwierigen Start kann das herausfordernd sein. Bewegungen, Töne und Reaktionen gemeinsam wahrzunehmen, zu deuten und kleine Fortschritte sichtbar zu machen, sind dann wichtige Elemente der Elternbegleitung.

In der frühen Kindheit werde zudem oft unterschätzt, dass neben feinfühligem Reagieren es fast noch wichtiger sei, prompt auf die Signale des Babys zu reagieren. Da das Baby noch kein Zeitgefühl und kausales Denken im erwachsenen Sinn habe, idealerweise innerhalb von 15 Sekunden. Für ein Baby entsteht dadurch die assoziative Erfahrung: Meine Signale werden gesehen, meine Not wird beantwortet, ich bin nicht allein. Das zeigte Christin anhand eines kleinen Alltagsbeispiels: Für Neugeborene ist Wickeln fast immer mit Stress verbunden. Es bedeutet Entblössung, Unsicherheit und viele Reize auf einmal. Wenn das Baby dabei schreit, liegt der Impuls nahe, möglichst schnell fertig zu werden, damit „es vorbei ist“. Christin lud zu einer anderen Haltung ein: Wenn das Kind überfordert ist, darf das Wickeln unterbrochen werden. Nimm dein Baby an deinen Körper. Gib Ruhe, Nähe und Sicherheit. Die Windel darf warten. Irgendwann ist die Zeit reif, das Wickeln in Ruhe abzuschliessen.

Fazit: Danke, Christin, für einen berührenden Abend, der zeigte, wie anspruchsvoll die frühe Zeit mit einem Kind ist – und wie viel Verständnis, Entlastung und Unterstützung Eltern verdienen.